Bericht RSM-Open Leer

Bericht zum RSM Schachopen Leer von Mattis Trätmar

Vom 01.11.-04.11.18 fand in Leer die zweite Auflage des RSM Schachopen statt, welches erneut Spieler aus aller Welt an sich zog. Schon bei Primäre letztes Jahr waren starke Spieler dabei, doch in diesem Jahr verzeichnete das A-Open noch einen deutlicheren Anstieg des Niveaus. So waren neben den knapp 90 Teilnehmern im A-Open viele Deutsche dabei, aber auch Leute aus den Niederlanden, aus Belgien, aus der Ukraine, aus Indien und sogar einer aus Australien! Welch eine Internationalität bei der wohlgemerkt erst 2. Auflage des Opens! Ich nahm mir auch nicht viel für das Turnier vor, bis auf, einfach gutes Schach zu spielen. Außerdem wollte ich auf gar keinen Fall, dass es so einen Ausgang wie letztes Jahr nehmen würde, denn dort spielte ich kein gutes Schach. Als ich am 01.11. um 11:00 zusammen mit meiner Mutter ins Auto stieg, war ich guter Dinge und freute mich aufs Turnier und ein paar schöne Tage zusammen mit meiner Freundin Lara, die auch das Turnier mit spielte. Nach knapp 1,5 h Fahrt kamen wir zunächst bei unserer Ferienwohnung an, ehe wir uns dann auf den Weg zum Spielort, einem 4 Sterne-Hotel, machten. Dort angekommen, meldete ich mich an und machte daraufhin einen Spaziergang mit meiner Freundin. Um 16:00 begann dann die erste Runde. Die Bedenkzeit betrug 1,5 h für 40 Züge und 30 min für den Rest der Partie zzgl. 30 Sek Inkrement pro Zug. Ich bekam es mit dem an 15.gesetzten belgischen FM Adrian Roos zu tun. Leider verlor ich nach ca. 5,5 h Spielzeit, wobei ein Remis das wahrscheinlichste Resultat gewesen wäre. Wie ärgerlich!

Am nächsten Tag durfte ich sozusagen als „Dank“ gegen einen Niederländer mit einer Elo von 1655 spielen, diesmal mit Weiß. Um 10:00 wurde zur Runde geläutet und wir begannen unsere Partie. Die Eröffnungsbehandlung meinerseits war, zugegebenermaßen nicht sonderlich ambitioniert, doch im Mittelspiel gelang es mir nach und nach, meinen Gegner zu überspielen, sodass ich dann am Ende eine kleine Taktik anbringen konnte, woraufhin mein Gegner kurze Zeit später aufgab. Zwischen den einzelnen Runden bereitete ich mich entweder vor oder machte einen Spaziergang und trank und aß was. Gut gestärkt ging es dann pünktlich um 16:00 mit der 3. Runde weiter. Mein Gegner besaß eine Elo von knapp 2100 und zählte 64 Lenze. Nach sehr mutiger Eröffnungsbehandlung meines Gegners erreichte ich nach 10 Zügen eine gute Stellung als Schwarzer. Bereits beim 17. Zug stand ich auf Gewinn, doch in Folge der Partie spielte ich einmal zu schnell und langsam begann sich meine einstige Gewinnstellung in Luft aufzulösen, vielmehr noch, sich gegen mich zu wenden. Also 1:0. In der nachträglichen Analyse fanden wir heraus, dass mir mehr als ein Gewinnweg zur Verfügung gestanden hätte! Sehr schade. Jene Partie verfolgte mich noch lange. Mit einem eher bescheidenen Gefühl ging ich tags darauf in meine nächste Weißpartie, wieder gegen einen deutlich schwächeren Gegner. In der Eröffnung ließ ich mich mehr oder minder bewusst auf ein theoretisches Duell ein und nach 25 Zügen gab sich meine junge Gegnerin geschlagen. Also 2/4, wobei ich damit nicht wirklich zufrieden war, zumal ich in meinen beiden Schwarzpartien reihenweise Chancen liegen gelassen hatte. In der 5. Runde bekam ich es endlich mal wieder mit einem stärkeren Gegner zu tun, der eine Elo-Zahl von 2127 aufwies und, wie mein erster Konkurrent ebenfalls aus Belgien kam. Die Partie verlief keineswegs fehlerfrei und zwischenzeitlich befanden wir uns in einer wahren Zeitnotschlacht, da wir beide lediglich von unseren 30 Sek Zuschlag lebten. Es war die letzte Partie im ganzen Turniersaal und nach knapp 6 h offerierte mir mein Gegner die Punkteilung, die ich auch ohne lange darüber nachzudenken seufzend und erleichtert annahm.

Stellung nach 53…h6!

Diagramm 1

Hiermit gedachte ich, das Remis anzusteuern und mich zugleich etwas zu entlasten, da ich momentan nur Abwartezüge mit dem Turm machen kann. Mein Sinn stand mir nicht danach, einfach nur abzuwarten und Tee zu trinken, sodass ich mich für diese aktive Maßnahme entschloss.

Diagramm 2

Hier spielte ich 64…d3, um in der Partie zu bleiben, woraufhin Weiß mit 65.Lb3 antwortete. In dieser Stellung lebten wir beide wohlgemerkt lediglich noch von den 30 Sekunden Inkrement pro Zug.

Was spielte ich (Schwarz) wohl nach dem 65. weißen Zug?

Diagramm 3

Ich spielte hier den einzigen und zugleich starken Zug 65…d2!

Nachdem ich jenen Zug gespielt hatte, wusste ich, dass ich die Partie nicht mehr verlieren würde, was per se ein gutes Gefühl war.

Kurze Zeit später erreichten wir diese Stellung, die ich gewinnen wollte…

Stellung nach 66…d1D

Doch ist diese leider nicht für mich zu gewinnen und kurze Zeit später trennten wir uns friedlich.

Diagramm 4

Diagramm 5

Am letzten Spieltag spielte ich ausnahmsweise mal eine kurze Partie und nach 18 Zügen wurde das Remis vereinbart gegen einen Gegner mit einer Zahl von knapp über 2100, sodass ich mit einem guten Gefühl in die letzte Partie des Turniers gehen konnte. Ich bekam es erneut mit einem Gegner, der eine Spielstärke von ca. 2100 aufwies, zu tun. Man kannte sich bereits von anderen Turnieren. Die Eröffnung hätte im Prinzip nicht besser für mich laufen können und nach nur 10 Zügen war es der Weiße, der sich Sorgen machen musste.

Stellung nach 47.Kf4?

Hier gewinnt 47…Txg2 relativ leicht. Was machte ich stattdessen?

Ich beschloss, zunächst die Züge zu wiederholen, also 47…Tf2+ 48.Kg3 Tc2 49.Kf4 Tf2+ 50.Kg3 Tc2?! Daraufhin reklamierte mein Gegner dreimalige Stellungswiederholung. Ich wollte es nicht glauben, was ich auf dem Brett sah; ich hatte doch tatsächlich das Remis forciert, wie unüberlegt von mir. Nun denn, 0,5/0,5.

Am Ende standen auf meinem Habenkonto 3,5/7 zu Buche, womit ich zufrieden war. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass mir das Turnier gut gefiel. Die Organisation verlief einwandfrei und auch die allgemeine Turnieratmosphäre sagte mir sehr zu. Hinzu gesellt sich das, ich nenne es mal „internationale Feeling“, wodurch auch meine Englischkenntnisse auf die Probe gestellt wurden, da drei meiner Gegner kein Deutsch sprachen. Dies machte mir viel Spaß und ich fand es interessant, sich nach der Partie mit den Gegnern über die jeweiligen Gedankengänge auszutauschen. Allemal eine große Bereicherung. Des Weiteren kann man konstatieren, dass ich es mit starken Gegnern zu tun hatte, gegen die ich mich gut schlug. In jeder Partie verfügte ich über Gewinnchancen und auch, wenn ich zwei Partien verlor, die ich eigentlich nicht hätte verlieren dürfen, behalte ich das Turnier in guter Erinnerung und freue mich nun bereits aufs nächste Jahr, wo ich wieder angreifen werde!